Man mag die Besessenheit von Assisi und den Armutsregeln seines Bettelorden für übertrieben und uninteressant finden - aber Assisi und die ihm folgenden Franziskanerorden haben europaweit die Kirche positiv verändert, das System der Seelsorge gefördert, und sogar die Kirchenarchitektur mitbestimmt. Und somit auch die Geschichte von Regensburg beeinflusst.
Auswirkungen der Franziskanerbewegung waren:
eine stärker volksnahe Predigt (auf Deutsch statt Latein)
Betonung von Armut, Demut und Nächstenliebe
Kritik an übermäßigem Reichtum der Kirche Mehr Seelsorge für Arme und Kranke und Unterstützung von Randgruppen
Betreuung von Hospitälern und Armeneinrichtungen
Und was die Architektur betrifft: es entstand ein neuer Bautyp: die Predigtkirche, die stärker auf die städtische Bevölkerung ausgerichtet war, und entsprechend den Armutsregeln schlicht gehalten war.
Der originale Steineichenwald ist übrigens längst nicht mehr da. Dort ist jetzt der Ort "Santa Maria degli Angeli", ein Vorort von Assisi, und die Kirche ist auf einem großen Platz mittendrin.
In Regensburg haben wir als Beispiel die Regensburger Minoritenkirche, als Bestandteil des Franziskanerklosters (heute Bestandteil des Historischen Museums am Dachauplatz).
Aber auch die Dominikaner orientierten sich an diesem Baustil - in Regensburg zu sehen an der Dominikanerkirche St. Blasius beim Bismarckplatz.
Einer der nächsten Vorträge lautet Franz von Assisi | Sein radikal einfaches Leben inmitten der Natur
Am 3. Oktober 1226 starb in dieser Kirche Franziskus von Assisi im Kreis von Gefährten.
Und jetzt das genannte Kuriosum: ein paar Jahrhunderte später, im Jahre 1569, wollte Papst Pius V. den mittlerweile berühmten hl. Franziskus ehren und ließ eine riesige Kirche um die Kapelle herum bauen: die "Basilika Santa Maria degli Angeli" (Bauzeit 1569 bis 1679). Das aber passt so gar nicht in die Denkweise von Franz von Assisi!
Und dazu fiel mir ein Kuriosum ein. Denn sein "radikal einfaches Leben" - in einer Kapelle in mitten eines kleinen Wäldchens außerhalb von Assisi - wurde von einem späteren Papst nicht wirklich verstanden. Denn der ließ über die Kapelle des Assisi eine protzige Basilica bauen.
Der Hintergrund: 3 km von dem Geburtsort Assisi entfernt, im heutigen Ort Santa Maria degli Angeli, befand sich ungefähr im Jahre 1205 ein Steineichenwald. Dort renovierte Assisi - nach einer Gottesvision - eine verfallene Kapelle namens Portiuncula und scharte seine Anhänger um sich. Sie bildeten den ersten Bettelorden und lebten in dem Wäldchen. Kennzeichen des Ordens: absolute Armut ohne Besitz (persönlich und als Gemeinschaft) und Pflege von Kranken.
Nachdem er immer bekannter wurde, wollte der Abt von Monte Subasio dem hl. Franziskus die Kapelle schenken. Der pochte aber auf die Regel, dass er kein Eigentum besitzen dürfe und vereinbarte, die Portiuncula zu mieten. Als Jahreszins wurde ein Korb Fische vereinbart. Franziskus ließ gleich darauf diese Schuld im Voraus begleichen und dem Abt einen Korb Fische bringen.
Am 3. Oktober 1226 starb in dieser Kirche Franziskus von Assisi im Kreis von Gefährten.
Wer diese Kirche zum ersten Mal besucht, wird verblüfft sein: vorne im Altarbereich befindet sich eine kleine Kapelle - dem Wirkungsort von Franz von Assisi.
Der originale Steineichenwald ist übrigens längst nicht mehr da. Dort ist jetzt der Ort "Santa Maria degli Angeli", ein Vorort von Assisi, und die Kirche ist auf einem großen Platz mittendrin.



